Kaution anlegen 2019 – 6 Sparformen mit Zinsen im Vergleich

So können Mieter und Vermieter die Mietkaution anlegenJahr für Jahr versauern in Deutschland Millionen von Euro auf schlecht verzinsten Sparbüchern. Doch Mieter und Vermieter können sich auch auf andere Möglichkeiten der Anlage verständigen. Wie es geht, zeigt die folgende Tabelle: Wir vergleichen für Sie 6 verschiedene Sparformen anhand deren Vorteile, Nachteile, Zinsen und Kosten. Wie Sie die Mietkaution anlegen können, und worauf Sie achten sollten.

➥ Das Wichtigste auf einen Blick

  • 1. Es gilt die gesetzliche Vorschrift des § 551 BGB. Die Höhe der Mietsicherheit ist auf drei Nettomieten begrenzt.
  • 2. Der Vermieter muss die Kaution separat und getrennt von seinem übrigen Vermögen anlegen.
  • 3. Der Gesetzgeber legt mit dem klassischen Sparbuch die Rahmenbedingungen fest. Sowohl Mieter als auch Vermieter müssen diese Variante akzeptieren, wenn eine der Mietparteien es wünscht.
  • 4. Abweichend dazu können sich die Mietparteien einvernehmlich für eine andere Anlageform entscheiden.
Sparform
Verzinsung
Kosten
Vor-/ Nachteile
Anbieter
Tagesgeld
Zinsen
0,25 bis 1,0 %
Kosten für Eröffnung
keine
Vorteile / Nachteile
  • + keine Kosten für Eröffnung
  • + attraktive Zinsen
  • + kein Wertverlust dank Einlagensicherung
  • - nicht von jedem Vermieter akzeptiert
  • - Verwaltung und Abrechnung der Zinsen
  • - Verpfändung nicht immer möglich
Anbieter
Sparkonto
Zinsen
0 bis 0,1 %
Gebühren für Eröffnung
0 bis 30 Euro
Vorteile / Nachteile
  • + kein Wertverlust dank Einlagensicherung
  • + hohe Akzeptanz beim Vermieter
  • + Verpfändung möglich
  • - niedrige Zinsen
  • - meist Kosten für Eröffnung
  • - Verwaltung und Abrechnung nötig
Anbieter
Festgeld
Zinsen
0,25 bis 1,2 %
Kosten
keine für Eröffnung, eventuell jedoch für vorzeitige Auflösung
Vorteile / Nachteile
  • + attraktive Zinsen
  • + keine Kosten für Eröffnung
  • + kein Wertverlust dank Einlagensicherung
  • - nicht von jedem Vermieter akzeptiert
  • - längere / feste Laufzeit
  • - Verwaltung und Abrechnung der Zinsen
  • - Verpfändung meist nicht möglich
Anbieter
Depot
Zinsen
ø 4 %
Kosten
keine für Depoteröffnung, eventuell für Kauf / Verkauf der Wertpapiere
Vorteile / Nachteile
  • + sehr attraktive Rendite
  • + keine Gebühren für Eröffnung
  • - nicht von jedem Vermieter akzeptiert
  • - negative Wertentwicklung durch Kursverluste möglich
  • - Verpfändung nicht immer möglich
Anbieter
Bundesschatzbrief
Zinsen
ø 0,4 %
Kosten
keine
Vorteile / Nachteile
  • + höhere Zinsen als beim Sparbuch
  • + keine Kosten für Zeichnung
  • + sichere Rückzahlung bei Laufzeitende
  • - aktuell leider nicht erhältlich
Anbieter
Bürgschaft
Guthabenzinsen
keine
Kosten
ø 4,5 % der Kautionssumme
Vorteile / Nachteile
  • + finanzieller Spielraum, da keine Barkaution nötig
  • + bei finanziellem Engpass kein Kredit nötig
  • + kein Verwaltungsaufwand für Vermieter
  • - nicht von jedem Vermieter akzeptiert
  • - überschaubare aber regelmäßige Kosten
Anbieter

Tagesgeld

Jederzeit flexibel verfügbar und (im Vergleich zum Sparbuch) attraktive Konditionen – das sind die Vorteile von Tagesgeld. Eine Verpfändung zugunsten des Vermieters gibt es nur auf Nachfrage bei der Bank. Die Zinsen sind mit bis zu 1,0% (aktuelles Angebot der ING-DiBa, Stand März 2019) höher als beim Sparbuch, siehe Übersicht verschiedener Anbieter unten. Die Anlage ist dank Einlagensicherung vor Verlust geschützt. Sowohl Mieter als auch Vermieter können das Tagesgeldkonto für die Mietkaution anlegen. Die Eröffnung ist direkt online möglich.

Das herkömmliche Sparbuch

Hierbei handelt es sich um das klassische Sparbuch, wie man es von früher kennt. Für die Anlage gibt es zwei Möglichkeiten: Bei Eröffnung auf den Vermieter erhält dieser zunächst die Kautionssumme vom Mieter in bar oder per Überweisung. Der Hausherr legt die Kaution dort sicher und verzinslich separat vom eigenen Vermögen an. Bei Anlage auf den Vermieter kann der Mieter keinen Freistellungsauftrag stellen, und muss daher die Zinserträge versteuern. Alternativ eröffnet der Mieter das Konto auf seinen Namen, zahlt das Geld darauf ein, und übergibt es anschließend dem Vermieter. Es erfolgt eine Verpfändung zugunsten des Hausherrn, damit dieser im Schadensfall Zugriff auf das Geld hat. Bei dieser Variante kann der Mieter mit einem Freistellungsauftrag seine Erträge von der Steuer befreien.

Der Zinssatz ist mit durchschnittlich 0,01% (Stand März 2019) sehr niedrig, siehe auch Übersicht verschiedener Anbieter zum Mietkautionskonto.

Festgeld

Auch das Festgeldkonto ist eine Alternative zum Sparbuch. Jedoch gibt es hier feste Laufzeiten. Einer vorzeitigen Verfügung muss die Bank zustimmen, weshalb sich Tagesgeld für die Anlage der Mietkaution grundsätzlich besser eignet. Sowohl Mieter als auch Vermieter können das Konto eröffnen. Auch bei Festgeld lehnt die Bank eine Verpfändung zugunsten des Vermieters sowie ein Sperrvermerk meist ab. Die Höhe der Zinsen richtet sich nach dem Betrag sowie der Anlagedauer. Mit immerhin durchschnittlich 1,2% (Stand März 2019) lässt sich das Geld dort recht lukrativ unterbringen. Die Einlagensicherung schützt auch hier vor Verlust.

Wertpapier-Depot

Die attraktivste Verzinsung für die Mietkaution bietet derzeit die Anlage in Wertpapiere auf einem Depotkonto. Die Rendite kann je nach Entwicklung der Märkte 4% oder auch mehr betragen. Das Geld wird hierbei meist in risikoarme Fonds oder festverzinsliche Wertpapiere investiert. Auch Aktien großer Unternehmen mit geringen Kursschwankungen sind eine Möglichkeit. Höhere Erträge müssen jedoch grundsätzlich mit einem gestiegenen Risiko erkauft werden. Es gibt keine Einlagensicherung.

Bundesanleihe und Schatzbrief

Bei einer Bundesanleihe handelt es sich um ein festverzinsliches Wertpapier, welches vom deutschen Staat herausgegeben wird. Der Staat leiht sich somit quasi Geld vom Anleger, und vergütet dies mit einer gleichbleibenden Verzinsung. Diese liegt derzeit im Schnitt bei 0,4 Prozent (Stand Januar 2019), und ist damit immerhin attraktiver als bei normalen Sparkonten. Eine garantierte Rückzahlung der vollen Anlagesumme nebst Zinsen ist jedoch nur zum vereinbarten Laufzeitende garantiert. Das liegt daran, dass Bundesanleihen an der Börse gehandelt werden, und somit einem Kursrisiko unterliegen. Aus diesem Grund ist die Anleihe als Kautionsanlage nicht unbedingt empfehlenswert (mehr Infos).

Hinweis: Bei dem früher sehr beliebten Bundesschatzbrief gab es dieses Kursrisiko trotz einer attraktiven Verzinsung nicht. Leider sind Bundeschatzbriefe aktuell nicht erhältlich. Sollte sich daran etwas ändern, halten wir Sie diesbezüglich auf dem Laufenden.

Bürgschaft

Hierbei handelt es nicht um eine klassische Geldanlage, sondern um eine Möglichkeit der Finanzierung. Ist das Budget beim Umzug knapp, können Mieter den hohen Einmalbetrag der Kaution einsparen, und haben das Geld zur freien Verfügung. Bei einer Mietkautionsbürgschaft wird die Sicherheit nicht vom Mieter selbst, sondern von einem Bürgen gestellt. Dies ist meist eine Bank oder bekannte Versicherung, wie z.B. die Allianz oder die R+V. Im Schadensfall wird die Kautionssumme an den Eigentümer ausgezahlt. Der Mieter zahlt einen jährlichen Beitrag, für den Hausherrn entstehen hingegen keine Kosten. Die Verwaltung der Konten sowie die Abrechnung der Zinsen zum Mietende entfällt. So funktioniert eine Mietkautionsbürgschaft im Detail.

10 Gedanken zu „Kaution anlegen 2019 – 6 Sparformen mit Zinsen im Vergleich“
  1. Hallo,

    mein Vermieter meint es gibt keine Zinsen mehr auf Sparbücher, und will mir daher auch keine auszahlen … Mietkaution wurde 2011 bezahlt, 2017 sind wir ausgezogen…

    1. Hallo,

      dass es gar keine Zinsen mehr gab, stimmt so natürlich nicht. In den Jahren 2017 und 2016 konnte man die Mietkaution zwar nur für ca. 0,1 Prozent anlegen. In 2011 hat man jedoch auf einem Sparbuch immerhin noch um die 1,5 Prozent bekommen. Wie viel Ihnen letztlich zusteht, kann ich nicht genau sagen, da Sie nichts über die Höhe Ihrer Kautionssumme schreiben.

      Jedoch: Bei einem angenommenen durchschnittlichen Zinssatz für die gesamte Laufzeit in Höhe von 0,5 Prozent und einer angenommenen Kautionssumme in Höhe von 1.000 Euro würden Ihnen für die 6 Jahre immerhin 30 Euro an Zinsen zustehen. Nur dass Sie eine grobe Orientierung haben.

      Viel Erfolg

  2. Hätte da mal eine Frage: inwiefern ist das Thema Steuern für mich als Mieter noch relevant bei den derzeit nicht gerade erwähnenswerten Zinsen auf dem Sparbuch? Ansonsten vielen Dank für Ihre tolle Recherche! Sieht man selten so im Internet, ist vorgemerkt.

    Danke

    1. Hallo,

      erstmal vielen Dank für Ihre nettes Feedback. Empfehlen Sie uns doch gerne weiter.

      Zu den Steuern: aktuell spielen diese wirklich nur eine untergeordnete Rolle. Sollten Sie tatsächlich Steuern auf die Kaution abführen müssen, sind es aktuell wohl nur paar Cent. Aufgrund des Sparerfreibetrag sind Anleger ohnehin bis 801 Euro (1602 Euro für Verheiratete) steuerbefreit, wenn ein Freistellungsauftrag bei der kontoführenden Bank gestellt wird.

      Viele Grüße

  3. Hallo,

    habe mal eine Frage : Wozu dient dieser Sperrvermerk? Kann man nicht einfach ein Konto anlegen, und die Mietkaution darauf einzahlen?

    Danke

    1. Hallo,

      doch, können Sie im Prinzip schon.

      Zunächst zum Sinn und Zwecks des Sperrvermerks: das Mietkautionskonto wird deshalb erstmal „gesperrt“, damit niemand missbräuchlich – also für andere Zwecke als die Kaution – über das Geld verfügen kann. Das heisst: weder der Mieter noch der Vermieter können einfach Geld abheben, oder das Konto auflösen. Es muss jedoch nicht zwingend ein Sperrvermerk eingerichtet werden. Wenn das Vertrauensverhältnis zum Vermieter da ist, kann die Art der Anlage beliebig gewählt werden. Aber sobald eine der Mietparteien die klassische Form möchte, kommt diese zum Einsatz.

      Viele Grüße

  4. Hallo,

    ich habe meine Wohnung gekündigt. Nun sagt die Vermieterin, sie habe keine Unterlagen zur Mietkaution. Ich selbst habe alle Unterlagen schon umzugstechnisch verpackt, und kann wahrscheinlich auch nicht mehr als einen Kontoauszug vorweisen. Bin ich in der Pflicht ihr jetzt meine Zahlung zu beweisen? Da sie ja auch das Geld hätte anlegen müssen.

    1. Hallo,

      wurde die Kaution auf einem Konto des Vermieters angelegt, haben Sie als Mieterin Anspruch auf Auskunft bzw. auf einen Nachweis der Anlage. Ihre Vermieterin muss Ihnen darlegen, was Sie mit dem Geld genau gemacht hat, und wo es sich befindet. Dazu gehört neben der genauen Bezeichnung als Treuhandkonto (getrennt vom übrigen Vermögen des Vermieters angelegtes Geld) die Angabe der Bank sowie der Kontonummer. Sie sind im Übrigen nicht verpflichtet, Ihren Kontoauszug zu suchen und vorzulegen. Jedoch würde es die Sache in der Praxis beschleunigen, da dies Ihrer Vermieterin „gedanklich auf die Sprünge hilft“.

      Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.
      Viel Erfolg

  5. Hallo,

    wir wollten unserem Vermieter letzte Woche die Kaution für die neue Wohnung übergeben. Da meinte er, das nicht er das Geld haben möchte. Wir sollen stattdessen selbst zur Bank gehen, ein Sparbuch eröffnen, und es ihm anschließend geben. Er hätte keine Zeit sich darum zu kümmern, das wäre so schon in Ordnung. Dabei hatte ich gelesen, dass der Vermieter die Mietkaution getrennt von seinem Vermögen anlegen muss. Was ist nun richtig?

    1. Hallo,

      Ihr Vermieter liegt damit grundsätzlich richtig. Sie können das Konto auch auf Ihren Namen anlegen, und dem Vermieter anschließend aushändigen. Dabei müssen allerdings folgende Bedingungen erfüllt sein: Das Sparbuch muss speziell als Mietkautionskonto eröffnet werden, was Sie der Bank gleich zu Beginn mitteilen. Das Konto wird dann mit einem Sperrvermerk versehen, sodass es nur dem Zweck der Mietkaution dient, und keine missbräuchlichen Verfügungen möglich sind. Zudem wird das Konto an den Vermieter verpfändet, damit nur er im Schadensfall oder bei Mietschulden darauf zugreifen kann. Der Vermieter wird damit so gestellt, als hätte er das Konto selbst eröffnet.

      Viele Grüße

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