Kaution anlegen 2018 – 6 Sparformen mit Zinsen im Vergleich

Jahr für Jahr versauern in Deutschland Millionen von Euro auf schlecht verzinsten Sparbüchern. Doch Mieter und Vermieter können sich auch auf andere Möglichkeiten der Anlage verständigen. Im folgenden Artikel vergleichen wir die Zinsen und Anbieter von 6 Sparformen für die Mietkaution. Welche Vorteile und Nachteile es jeweils gibt, wie es richtig funktioniert, und worauf Sie achten sollten.

➥ Das Wichtigste auf einen Blick

So können Mieter und Vermieter die Mietkaution anlegen

  • 1. Es gilt die gesetzliche Vorschrift des § 551 BGB. Die Höhe der Mietsicherheit ist auf drei Nettomieten begrenzt.
  • 2. Der Vermieter muss die Mietkaution separat und getrennt von seinem übrigen Vermögen anlegen.
  • 3. Der Gesetzgeber legt mit dem klassischen Sparbuch die Rahmenbedingungen fest. Sowohl Mieter als auch Vermieter müssen diese Variante akzeptieren, wenn eine der Mietparteien es wünscht.
  • 4. Abweichend dazu können sich die Mietparteien einvernehmlich für eine andere Anlageform entscheiden.

Tagesgeld

Jederzeit flexibel verfügbar und (im Vergleich zum Sparbuch) attraktive Konditionen – das sind die Vorteile von Tagesgeld. Eine Verpfändung zugunsten des Vermieters sowie ein Sperrvermerk der Bank wie beim Sparbuch gibt es i.d. Regel nicht. Die Zinsen sind mit bis zu 1,0% (aktuelles Angebot der ING-DiBa, Stand Oktober 2018) höher als beim Sparbuch, siehe Übersicht verschiedener Anbieter unten. Die Anlage ist dank Einlagensicherung vor Verlust geschützt. Sowohl Mieter als auch Vermieter können das Tagesgeldkonto für die Mietkaution anlegen. Die Eröffnung ist direkt online möglich.

Tagesgeldkonto
Vorteile
Nachteile
Mieter
  • Auszahlung inklusive Zinsen nach Beendigung des Mietverhältnisses
  • mit bis zu 1,0% (Stand Oktober) höhere Erträge als auf einem Sparbuch
  • garantierte Rückzahlung durch Einlagensicherung
  • missbräuchliche Verfügung durch Vermieter möglich, wenn Konto auf dessen Namen läuft.
  • Vermieter
  • kein Wertverlust der Anlage, da Absicherung durch Einlagensicherung
  • einfacher Zugriff auf die Kaution bei Vermieterkonto
  • Verwaltung und Abrechnung der Zinsen
  • eingeschränkter Zugriff bei Anlage auf den Mieter (meist keine Verpfändung möglich)
  • Tagesgeldzinsen im Vergleich

    Das herkömmliche Sparbuch

    Hierbei handelt es sich um das klassische Sparbuch, wie man es von früher kennt. Für die Anlage gibt es zwei Möglichkeiten: Bei Eröffnung auf den Vermieter erhält dieser zunächst die Kautionssumme vom Mieter in bar oder per Überweisung. Der Hausherr legt die Kaution dort sicher und verzinslich separat vom eigenen Vermögen an. Bei Anlage auf den Vermieter kann der Mieter keinen Freistellungsauftrag stellen, und muss daher die Zinserträge versteuern. Alternativ eröffnet der Mieter das Konto auf seinen Namen, zahlt das Geld darauf ein, und übergibt es anschließend dem Vermieter. Es erfolgt eine Verpfändung zugunsten des Hausherrn, damit dieser im Schadensfall Zugriff auf das Geld hat. Bei dieser Variante kann der Mieter mit einem Freistellungsauftrag seine Erträge von der Steuer befreien.

    Der Zinssatz ist mit durchschnittlich 0,01% (Stand Oktober 2018) sehr niedrig, siehe auch Übersicht verschiedener Anbieter zum Mietkautionskonto.
    Mietkautionskonto
    Vorteile
    Nachteile
    Mieter
  • Mietkaution wird nach Beendigung des Mietverhältnisses nebst Zinsen ausgezahlt.
  • nur gemeinsame Verfügung durch Sperrvermerk der Bank, Missbrauch durch Vermieter ausgeschlossen
  • Steuerbefreiung möglich, wenn Konto auf den Mieter läuft.
  • Sichere und bestimmungsgemäße Anlage wird ermöglicht.
  • Geld ist während der Mietdauer zu niedrigen Zinsen gebunden.
  • Kautionssumme wird bei Beendigung des Mietverhältnisses nicht sofort ausgezahlt.
  • Bei Vermieterkonto: Risiko dass dieser die Kaution nicht bestimmungsgemäß anlegt.
  • Bis zu drei Monatsmieten belasten das Umzugsbudget des Mieters.
  • Vermieter
  • Kein Fremdzugriff möglich, da eigene Verwahrung der Sparurkunde.
  • kein Wertverlust der Anlage, da Einlagensicherung
  • aufwendige Verwaltung und Abrechnung der Zinsen
  • nur gemeinsame Verfügung im Schadensfall aufgrund Sperrvermerk der Bank
  • Festgeld

    Auch das Festgeldkonto ist eine Alternative zum Sparbuch. Jedoch gibt es hier feste Laufzeiten. Einer vorzeitigen Verfügung muss die Bank zustimmen, weshalb sich Tagesgeld für die Anlage der Mietkaution grundsätzlich besser eignet. Sowohl Mieter als auch Vermieter können das Konto eröffnen. Auch bei Festgeld lehnt die Bank eine Verpfändung zugunsten des Vermieters sowie ein Sperrvermerk meist ab. Die Höhe der Zinsen richtet sich nach dem Betrag sowie der Anlagedauer. Mit immerhin durchschnittlich 1,2% (Stand Oktober 2018) lässt sich das Geld dort recht lukrativ unterbringen. Die Einlagensicherung schützt auch hier vor Verlust.

    Festgeldkonto
    Vorteile
    Nachteile
    Mieter
  • mit durchschnittlich 1,2% relativ attraktive Rendite
  • weitere siehe Tagesgeld
  • teilweise Zinsverlust oder Abzug einer Gebühr bei vorzeitiger Kündigung
  • missbräuchliche Verfügung durch Vermieter möglich, wenn Konto auf seinen Namen läuft.
  • Vermieter
  • siehe Tagesgeld
  • siehe Tagesgald
  • Festgeldzinsen im Vergleich

    Wertpapier-Depot

    Die attraktivste Verzinsung für die Mietkaution bietet derzeit die Anlage in Wertpapiere auf einem Depotkonto. Die Rendite kann je nach Entwicklung der Märkte 4% oder auch mehr betragen. Das Geld wird hierbei meist in risikoarme Fonds oder festverzinsliche Wertpapiere investiert. Auch Aktien grosser Unternehmen mit geringen Kursschwankungen sind eine Möglichkeit. Höhere Erträge müssen jedoch grundsätzlich mit einem gestiegenen Risiko erkauft werden. Es gibt keine Einlagensicherung. Depot eröffnen

    Depotkonto
    Vorteile
    Nachteile
    Mieter
  • Rendite ist mit im Schnitt 4% recht attraktiv, bei sehr guter Wertentwicklung können auch 8 Prozent erreicht werden.
  • Steuerbefreiung der Erträge möglich, wenn Depotkonto auf den Mieter läuft.
  • möglicher Wertverlust der Anlage bei schlechter Entwicklung der Märkte
  • keine Einlagensicherung
  • Beim Erwerb von Fonds fallen eventuell Kosten wie z.B. der Ausgabeaufschlag an. Diese schmälern die Rendite etwas.
  • Vermieter
  • bei Vermieterkonto einfacher Zugriff auf das Geld
  • bei positiver Wertentwicklung erhöht sich Mietsicherheit
  • möglicher Wertverlust der Sicherheit bei schlechter Entwicklung der Märkte
  • keine Einlagensicherung
  • eingeschränkter Zugriff bei Anlage auf den Mieter (meist keine Verpfändung möglich)
  • Depotkonten im Vergleich

    Bundesanleihe und Schatzbrief

    Bei einer Bundesanleihe handelt es sich um ein festverzinsliches Wertpapier, welches vom deutschen Staat herausgegeben wird. Der Staat leiht sich somit quasi Geld vom Anleger, und vergütet dies mit einer gleichbleibenden Verzinsung. Diese liegt derzeit im Schnitt bei 0,4 Prozent (Stand Oktober 2018), und ist damit immerhin attraktiver als bei normalen Sparkonten. Eine garantierte Rückzahlung der vollen Anlagesumme nebst Zinsen ist jedoch nur zum vereinbarten Laufzeitende garantiert. Das liegt daran, dass Bundesanleihen an der Börse gehandelt werden, und somit einem Kursrisiko unterliegen. Aus diesem Grund ist die Anleihe als Kautionsanlage nicht unbedingt empfehlenswert (mehr Infos).

    Hinweis: Bei dem früher sehr beliebten Bundesschatzbrief gab es dieses Kursriko trotz einer attraktiven Verzinsung nicht. Leider sind Bundeschatzbriefe seit 2013 nicht mehr erhältlich.
    Bundeswertpapiere
    Vorteile
    Nachteile
    Mieter
  • sichere Rückzahlung garantiert, wenn das Laufzeitende abgewartet wird.
  • Verzinsung liegt etwas oberhalb der von herkömmlichen Sparkonten.
  • Risiko einer nicht vollständigen Rückzahlung bei vorzeitigem Verkauf
  • Geld ist während der Mietdauer zu relativ niedrigen Zinsen gebunden
  • Vermieter
  • grundsätzlich sichere Anlageform
  • bei Erwerb durch Vermieter einfacher Zugriff auf das Geld
  • teilweise Verlust der Mietsicherheit, wenn Kursrisiko eintritt.
  • eingeschränkter Zugriff bei Anlage auf den Mieter (keine Verpfändung)
  • Abrechnung der Zinsen
  • Bürgschaft

    Hierbei handelt es nicht um eine klassische Geldanlage, sondern um eine Möglichkeit der Finanzierung. Ist das Budget beim Umzug knapp, können Mieter den hohen Einmalbetrag der Kaution einsparen, und haben das Geld zur freien Verfügung. Bei einer Mietkautionsbürgschaft wird die Sicherheit nicht vom Mieter selbst, sondern von einem Bürgen gestellt. Dies ist meist eine Bank oder bekannte Versicherung, wie z.B. die Allianz oder die R+V. Im Schadensfall wird die Kautionssumme an den Eigentümer ausgezahlt (so funktioniert es im Detail). Der Mieter zahlt einen jährlichen Beitrag, für den Hausherrn entstehen hingegen keine Kosten. Die Verwaltung der Konten sowie die Abrechnung der Zinsen zum Mietende entfällt.

    Bürgschaft
    Vorteile
    Nachteile
    Mieter
  • finanzieller Spielraum, da keine Barkaution gestellt werden muss
  • Vermeidung eines Mietkautionskredit, wenn Ersparnisse nicht reichen
  • als Zwischenfinanzierung nutzbar (Bürgschaft kann später in normale Kaution umgewandelt werden)
  • überschaubare, aber regelmäßige Kosten.
  • Vermieter
  • vorherige Bonitätsprüfung des Mieters bei der Schufa
  • unkomplizierter Zugriff auf die Sicherheit durch standardisierte Inanspruchnahme
  • keine aufwendige Verwaltung und Abrechnung der Zinsen
  • Vorlage von Dokumenten im Schadensfall
    8 Gedanken zu „Kaution anlegen 2018 – 6 Sparformen mit Zinsen im Vergleich“
    1. Hallo,

      mein Vermieter meint es gibt keine Zinsen mehr auf Sparbücher, und will mir daher auch keine auszahlen … Mietkaution wurde 2011 bezahlt, 2017 sind wir ausgezogen…

      1. Hallo,

        dass es gar keine Zinsen mehr gab, stimmt so natürlich nicht. In den Jahren 2017 und 2016 konnte man die Mietkaution zwar nur für ca. 0,1 Prozent anlegen. In 2011 hat man jedoch auf einem Sparbuch immerhin noch um die 1,5 Prozent bekommen. Wie viel Ihnen letztlich zusteht, kann ich nicht genau sagen, da Sie nichts über die Höhe Ihrer Kautionssumme schreiben.

        Jedoch: Bei einem angenommenen durchschnittlichen Zinssatz für die gesamte Laufzeit in Höhe von 0,5 Prozent und einer angenommenen Kautionssumme in Höhe von 1.000 Euro würden Ihnen für die 6 Jahre immerhin 30 Euro an Zinsen zustehen. Nur dass Sie eine grobe Orientierung haben.

        Viel Erfolg

    2. Hätte da mal eine Frage: inwiefern ist das Thema Steuern für mich als Mieter noch relevant bei den derzeit nicht gerade erwähnenswerten Zinsen auf dem Sparbuch? Ansonsten vielen Dank für Ihre tolle Recherche! Sieht man selten so im Internet, ist vorgemerkt.

      Danke

      1. Hallo,

        erstmal vielen Dank für Ihre nettes Feedback. Empfehlen Sie uns doch gerne weiter.

        Zu den Steuern: aktuell spielen diese wirklich nur eine untergeordnete Rolle. Sollten Sie tatsächlich Steuern auf die Kaution abführen müssen, sind es aktuell wohl nur paar Cent. Aufgrund des Sparerfreibetrag sind Anleger ohnehin bis 801 Euro (1602 Euro für Verheiratete) steuerbefreit, wenn ein Freistellungsauftrag bei der kontoführenden Bank gestellt wird.

        Viele Grüße

    3. Hallo,

      habe mal eine Frage : Wozu dient dieser Sperrvermerk? Kann man nicht einfach ein Konto anlegen, und die Mietkaution darauf einzahlen?

      Danke

      1. Hallo,

        doch, können Sie im Prinzip schon.

        Zunächst zum Sinn und Zwecks des Sperrvermerks: das Mietkautionskonto wird deshalb erstmal „gesperrt“, damit niemand missbräuchlich – also für andere Zwecke als die Kaution – über das Geld verfügen kann. Das heisst: weder der Mieter noch der Vermieter können einfach Geld abheben, oder das Konto auflösen. Es muss jedoch nicht zwingend ein Sperrvermerk eingerichtet werden. Wenn das Vertrauensverhältnis zum Vermieter da ist, kann die Art der Anlage beliebig gewählt werden. Aber sobald eine der Mietparteien die klassische Form möchte, kommt diese zum Einsatz.

        Viele Grüße

    4. Hallo,

      ich habe meine Wohnung gekündigt. Nun sagt die Vermieterin, sie habe keine Unterlagen zur Mietkaution. Ich selbst habe alle Unterlagen schon umzugstechnisch verpackt, und kann wahrscheinlich auch nicht mehr als einen Kontoauszug vorweisen. Bin ich in der Pflicht ihr jetzt meine Zahlung zu beweisen? Da sie ja auch das Geld hätte anlegen müssen.

      1. Hallo,

        wurde die Kaution auf einem Konto des Vermieters angelegt, haben Sie als Mieterin Anspruch auf Auskunft bzw. auf einen Nachweis der Anlage. Ihre Vermieterin muss Ihnen darlegen, was Sie mit dem Geld genau gemacht hat, und wo es sich befindet. Dazu gehört neben der genauen Bezeichnung als Treuhandkonto (getrennt vom übrigen Vermögen des Vermieters angelegtes Geld) die Angabe der Bank sowie der Kontonummer. Sie sind im Übrigen nicht verpflichtet, Ihren Kontoauszug zu suchen und vorzulegen. Jedoch würde es die Sache in der Praxis beschleunigen, da dies Ihrer Vermieterin „gedanklich auf die Sprünge hilft“.

        Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.
        Viel Erfolg

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.