Die Kaution in der WG – was Mieter und Vermieter wissen sollten

Die Mietkaution in der WGDas Leben in einer WG bietet viele Vorteile. Man zahlt wenig Miete, und hat meist nur einen kurzen Weg zur Uni oder zum Arbeitsplatz. In Sachen Mietrecht gibt es jedoch einige Fallstricke zu beachten. Häufiger Streitpunkt ist die Mietkaution. Die jeweiligen Regelungen richten sich nach der Art und Ausgestaltung des Mietvertrags. Worauf Mieter und Vermieter achten sollten.


Die Wohngemeinschaft im Gesetz

Die WG ist im Mietrecht nicht expliziert aufgeführt. Wer rechtliche Vorschriften zum Mietverhältnis in einer Wohngemeinschaft sucht, findet diese leider nur einzeln verstreut im BGB. Maßgeblich sind folgende Paragraphen:

Mietverträge in der WG und Mietkaution

Grafik zu Mietverträge in der WG und Mietkaution

Wer Wohnraum mietet, muss gewöhnlich eine Kaution an seinen Vermieter leisten. Diese wird zu Beginn des Mietverhältnisses fällig, und kann laut Gesetzgeber bis zu drei Nettokaltmieten (Miete ohne Strom, Wasser, Heizung etc.) betragen. Mit der Mietsicherheit kann sich der Vermieter gegen Mietausfälle oder Schäden am Mietobjekt absichern. An wen und in welcher Höhe die Mietkaution in einer Wohngemeinschaft gezahlt werden muss, richtet sich danach, welche Art von Mietvertrag in der WG geschlossen wurde. Aufgrund fehlender gesetzlicher Regelungen haben sich in der Praxis drei Vertragsformen herauskristallisiert, die den Parteien zur Regelung der Mietverhältnisse dienen. Jede Variante bringt für die Mietparteien sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Je nach Ausgestaltung ergeben sich zudem Unterschiede im Hinblick auf die Haftung der Beteiligten sowie die Rückzahlung.

Ein Hauptmieter, mehrere Untermieter

Bei dieser Variante ist der Hauptmieter der einzige Vertragspartner des Vermieters. Er haftet diesem im Außenverhältnis für alle Zahlungsverpflichtungen. Im Innenverhältnis tritt er als „Untervermieter“ auf, und schließt wiederum Mietverträge mit allen Untermietern ab. Der Hauptmieter legt fest, wie hoch die Zahlungsverpflichtungen für den einzelnen Untermieter sind. Die Mietkaution muss der Untermieter deshalb an den Hauptmieter zahlen, und beim Ausscheiden aus der WG auch von Selbigem zurückverlangen.

Ein Mietvertrag für alle WG-Bewohner

Hier gibt es nur einen einzigen Mietvertrag für die gesamte WG, in dem alle Mieter (zusammen) als Hauptmieter gelten. Die Mieter sind mit sämtlichen Rechten und Pflichten ausgestattet. Sie haften dem Vermieter daher gesamtschuldnerisch. Wenn z.B. einer der Inhaber seine Miete nicht zahlt, kann der Vermieter theoretisch auch von allen anderen Mietern den Ausgleich dieser Zahlung verlangen. Im Ergebnis regeln die Mieter untereinander, wer welchen Anteil an den Kosten zu übernehmen hat. Ebenso verhält es sich mit der Mietkaution. Die Höhe der Kaution für den Einzelnen errechnet sich entsprechend seines Anteils an der Nutzung der gesamten Wohnfläche. Wer aus der Wohngemeinschaft auszieht, hat somit nicht gegenüber dem Vermieter, sondern gegenüber den Mitmietern (entsprechend seines Anteils) einen Anspruch auf Rückzahlung der Kaution.

Gesonderter Mietvertrag mit jedem Bewohner

In dieser Variante schließt der Vermieter mit jedem WG-Mitglied einen separaten Mietvertrag ab. Hier sind Mieter und Vermieter direkte Vertragspartner. Die Höhe der zu zahlenden Mietkaution ergibt sich aus dem Mietvertrag.

Welche Art von Mietvertrag sollten WG-Mieter abschliessen?

Für den Mieter einer Wohngemeinschaft bietet der separate Mietvertrag (Version 3) die meisten Vorteile. Haftungsfragen müssen bei dieser Variante nur zwischen Mieter und Vermieter geklärt werden. Andere Mieter sind in diesem Fall außen vor. Nicht immer wird jedoch diese Variante gewählt, da bei Einzelverträgen der Verwaltungsaufwand für den Hausherrn recht hoch ist.

Haftung der Mieter bei Schäden

Wer mit seiner Mietkaution in welcher Höhe haftet, richtet sich in einer WG nach dem jeweiligen Mietvertrag. Bestehen Einzelmietverträge mit jedem Mieter, haftet Letzterer nur für eigene Schäden. Bei einem Hauptmieter und mehreren Untermietern haftet der Hauptmieter gegenüber dem Vermieter und der Untermieter gegenüber dem Hauptmieter. Besteht ein einziger Mietvertrag mit allen Bewohnern, haften alle Vertragsinhaber gesamtschuldnerisch. In diesem Fall kann auch die Kaution eines anderen Mieters herangezogen werden, wenn der Verursacher für den Schaden nicht aufkommt.

Rückzahlung

Endet das Mietverhältnis, steht die Auszahlung des hinterlegten Kautionsbetrags an. Der Anspruch richtet sich je nach Art des Mietvertrags gegen den Vermieter, den Hauptmieter oder die Mitmieter. Bei Mietrückständen oder Beschädigungen der Mietsache kann der Vermieter mit dem Kautionsbetrag aufrechnen. Letzterer kann eine so genannte Prüfungs- und Überlegungsfrist in Anspruch nehmen, sodass er sich für die Rückgabe einige Wochen oder sogar Monate Zeit lassen kann.

Tipp: ausführliche Infos zur Rückzahlung der Kaution

Kaution anlegen in WG

So können Mieter in einer Wohngemeinschaft die Mietkaution anlegen

Das Kautionsgeld wird auf einem eigens dafür eingerichteten Konto getrennt vom übrigen Vermögen des Vermieters angelegt. Dort verbleibt das Geld bis zum Ende des Mietverhältnisses. Je nach Art des Mietvertrags ist der Vermieter, der im Mietvertrag eingetragene Hauptmieter oder alle Mieter gemeinschaftlich für die Verwaltung der Kautionsgelder verantwortlich. Als Anlageform stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, auf die sich die Mietparteien frei einigen können:

Anlageformen der Mietkaution

Tipp: ausführliche Infos zum Thema Mietkaution anlegen

Bürgschaft

Die Mietsicherheit muss nicht zwingend in „bar“ geleistet werden, sondern kann auch als Bürgschaft hinterlegt werden. Häufig verlangen Vermieter gerade von jungen Leuten die ihre erste Wohnung beziehen eine Mietbürgschaft der Eltern. Eltern die für ihre Kinder bürgen, sollten sich vorab genau über die Gestaltung des Mietvertrags informieren. Denn die meist als selbstschuldnerische Bürgschaft ausgestaltete Verpflichtung kann zu einem hohen Risiko werden, wenn der Sohn oder die Tochter auch für die Mitbewohner haften muss. Auch eine Kombination aus Barkaution und Bürgschaft ist möglich. Einzige Beschränkung: die Höhe der Kautionssumme darf drei Nettokaltmieten nicht überschreiten. Mietkautionsbürgschaften werden alternativ von Banken und Versicherungen angeboten.

12 Gedanken zu „Die Kaution in der WG – was Mieter und Vermieter wissen sollten“
  1. Guten Tag,

    ich habe bis vor Kurzem mit einer Freundin zusammen in einer Wg gewohnt. Um mich mit der Mietkaution auszuzahlen hatte sie vorgeschlagen, dass ich die letzten 2 Monate die Wohnung nicht mehr bezahlen müsse. Jetzt ist es aber so, dass ihre Eltern seit Mitte Dezember dazu gezogen sind, und meine Räume übernommen haben. Diese Zahlen dann auch schon Miete. Wie sieht das jetzt mit meiner Kaution aus? Die Mieter versuchen sich, da raus zu halten. Aber soweit ich weiß, müssten diese jetzt zu den Eltern gehen, die Kaution einfordern und mir meine ausbezahlen.

    1. Hallo,

      ich kann Ihnen Ihre Frage leider nicht so einfach beantworten, da Sie nicht schreiben, welche Art von Mietvertrag in Ihrer Wohngemeinschaft verwendet wird. Von der Art des Mietvertrags hängt es ab, von wem Sie das Kautionsgeld zurück bekommen. Ich rate Ihnen, sich Ihren Mietvertrag näher anzusehen, und sich dazu obigen Artikel durchzulesen.

      Viele Grüße

  2. Moin,

    meine Mitbewohnerin ist ausgezogen, hat aber nicht fristgerecht gekündigt. Sie hat nur einen Teil der Miete bezahlt und geht davon aus, dass sie den Rest nicht mehr zahlen muss… Sie hat am 11.12.2017 gekündigt und wollte zum 15.01.2018 ausziehen. Dürfte ich als Schadensersatz etwas von der Mietkaution bzw. sogar die gesamte Kaution einbehalten? Auch wenn ich einen Nachmieter zum 01.02. gefunden habe?

    1. Hallo,

      Sie – bzw. der Inhaber des Mietvertrags der Wohngemeinschaft – sind berechtigt, entstandene Mietschulden mit der Kaution zu verrechnen. Dies ist jedoch nur in der Höhe möglich, in der Ihnen tatsächlich ein wirtschaftlicher Schaden entstanden ist. Der „Mietausfall“ endet in dem Moment, wo der neue Mieter sein Mietverhältnis aufnimmt.

      Viele Grüße

  3. Hallo,

    ich wohne in einer 3er WG, in der es einen Mietvertrag gibt. Ich habe zu März gekündigt, und 2 1/2 Jahre in der Wohnung gelebt. Im August erhalten wir in der Regel die Nebenkostenabrechnung. Kann mein Vermieter solange die ganze Kaution einbehalten?

    Danke für die Antwort

    1. Hallo,

      der Vermieter darf nur den Teil der Mietkaution zurück behalten, welcher voraussichtlich für die noch ausstehenden Nebenkosten benötigt wird. Dies gilt auch nur dann, wenn eine Nachzahlung wahrscheinlich ist. Den übrigen Teil der Kaution muss der Hausherr bereits vorher auszahlen.

      Viele Grüße

  4. Hallo,

    ich bin Ende November aus einer 3er WG ausgezogen. Inzwischen gibt es wieder eine Nachbesetzung. Beim Einzug habe ich dem Hauptmieter 700 € Anteil für die Mietkaution gezahlt. Von wem bekomme ich jetzt meinen Anteil von 700 € wieder? Vom Hauptmieter, vom Vermieter oder von der Nachbesetzung? Eine Übergabe meines Raumes wurde vom Vermieter bisher nicht durchgeführt.

    Danke für die Antwort.

    1. Hallo,

      ich habe Ihren Kommentar mal in diesen Bereich verschoben, da der obige Beitrag thematisch gut zu Ihrer Frage passt. Sie haben also einen Mietvertrag mit dem Hauptmieter abgeschlossen? Dann ist der Hauptmieter Ihr Ansprechpartner, welcher Ihnen auch die Mietkaution erstatten muss.

      Viele Grüße

  5. Guten Tag,

    ich habe in einer Dreier-WG gewohnt. Wir haben alle eine Mietkaution über 950€ hinterlegt, und waren alle Hauptmieter. Meine Mitbewohnerinnen haben ihre Kaution wieder bekommen. Ich allerdings nicht, weil eine Mitbewohnerin ihren Teil der Nebenkostenabrechnung nicht zahlen wollte. Mein alter Vermieter möchte meine nun einbehalten, solange sie nicht zahlt. Ist das rechtens, bzw. wie bekomme ich jetzt mein Geld zurück?

    Liebe Grüße

    1. Hallo,

      habe ich das so richtig verstanden, dass alle Mieter einen eigenen Mietvertrag hatten? Der Vermieter darf in diesem Fall immer nur Forderungen aus demselben Vertrag miteinander verrechnen. Es ist ihm somit nicht gestattet, sich einfach bei einem anderen Mieter zu bedienen. Sie dürfen also Ihr Geld zurückverlangen. Fordern Sie ihn schriftlich zur Rückzahlung auf. Setzen Sie ihm eine Frist von 2 Wochen. Für eine weitere Vorgehensweise empfehle ich Ihnen diesen Artikel.

      Viel Erfolg

  6. Hallo,

    wir sind eine 4er WG, und haben bereits über eine Monatsmiete Kaution hinterlegt. Nun wechselt ein WG Mitglied, und der neue Mieter soll eine Bürgschaft für zwei Monatsmieten Kaution hinterlegen. Was bedeutet das für ihn? Übernimmt er dann hauptanteilig die Haftung für die entstandenen Schäden an der gesamten Wohnung? Inwiefern dürfen wir diese Mietkaution unter uns aufteilen, wenn sie explizit von IHM gefordert worden ist? Schließlich ist das im Verhältnis total unfair. Wir haben einen Vertrag in dem alle Hauptmieter sind.

    Liebe Grüße
    Marie

    1. Hallo

      diese Art von Mietvertrag hat den Nachteil, dass alle Mieter gesamtschuldnerisch haften. Das bedeutet, dass der Vermieter bei Mietrückständen und Schäden die Regulierung von allen Mietern verlangen kann, egal wer den Schaden letztlich verursacht hat. Das gilt auch für die Verrechnung der Ansprüche mit der Mietkaution. Wer später tatsächlich dafür aufkommt, müssen Sie also untereinander regeln.

      Viele Grüße

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