Vermieter prellt Mieter um Kaution – was tun und wie vorbeugen?

Maßnahmen wenn Vermieter Mietkaution unterschlägtDie Mietkaution hat der Vermieter getrennt vom eigenen Vermögen auf einem Extra-Konto anzulegen – so sieht es das Gesetz vor. Doch nicht immer halten sich Eigentümer daran. Schlimmstenfalls verwendet Letzterer die Kaution wie eigenes Geld – zum Schaden des Mieters. Wir geben Tipps, um das Geld im Fall der Fälle wieder zu bekommen sowie Missbrauch vorzubeugen.

    Mein Vermieter…..

  • hat die Kaution grundlos einbehalten
  • hat Geld nicht angelegt
  • verweigert den Nachweis der Anlage
  • hat Mietkaution unterschlagen
  • ist zwecks Rückzahlung nicht erreichbar
  • hat Kaution nicht mehr
  • hat Geld wahrscheinlich ausgegeben

Diese oder ähnliche Hilferufe geprellter Mieter findet man allzu häufig in Internetforen. Zumindest in einigen dieser Fälle hat sich der Hauseigentümer gesetzeswidrig der Kaution ermächtigt. Ist das Geld erst mal weg, ist eine Rückholung für Mieter schwer. Denn nur selten gibt der Vermieter die Zweckentfremdung zu. Wir erläutern einige Möglichkeiten, wie Mieter ihr Geld im Fall der Fälle wieder bekommen. Noch besser ist jedoch, die Mietkaution von Anfang an sicher anzulegen, und so einen Missbrauch durch den Wohnungseigentümer zu vermeiden.

Mietkaution zurückfordern – so geht´s

Je nach Lage der Dinge sind unterschiedliche Vorgehensweisen sinnvoll. Wir erläutern, welche Maßnahme in der jeweiligen Situation angebracht ist.

1. Zuerst Situation klären

im ersten Schritt gilt es zunächst zu klären, ob der Vermieter die Kaution tatsächlich unrechtmäßig einbehält. Denn Letzterer ist in jedem Fall berechtigt, vor Auszahlung der Kautionssumme die abschließende Nebenkostenrechnung abzuwarten. Darüber hinaus ist der Eigentümer berechtigt, die Kaution im Rahmen der sogenannten Prüfungs- und Überlegensfrist zunächst einzubehalten. Dies gilt unabhängig von einem einwandfreien und vom Vermieter gegengezeichneten Übergabeprotokoll, siehe (Voraussetzungen für eine Rückzahlung). Erst wenn klar ist, dass der Vermieter das Geld offensichtlich grundlos zurück behält, können Mieter mit entsprechenden Maßnahmen das Geld einfordern.

2. Nachweis für gesetzeskonforme Anlage verlangen

Mieter haben jederzeit das Recht, sich vom Vermieter die Anlage auf einem Treuhandkonto nachweisen zu lassen. Erbringt der Vermieter den Nachweis nicht, sollten die Alarmglocken läuten. Es spricht vieles dafür, dass mit dem Geld nicht rechtmäßig verfahren wurde.

Bei der Mietkaution handelt es sich um so genanntes Treuhandvermögen. Letzteres muss von gesetztes wegen mündelsicher und konkurssicher getrennt vom übrigen Vermögen des Vermieters auf einem separaten Konto angelegt werden. Im Falle einer Insolvenz des Vermieters erhält der Mieter seine Kaution so trotzdem zurück. Die Anlage erfolgt standardmäßig auf einem Sparkonto mit dreimonatiger Kündigungsfrist. In der Praxis handelt es sich hierbei meist um das klassische Sparbuch bei der Hausbank.

3. Vermieter gibt Eigenverwendung zu

In diesem Fall sollte das Eingeständnis des Vermieters als Beweis schriftlich erfolgen. Darüber hinaus ist eine schriftliche Rückzahlungsvereinbarung ähnlich wie bei einen Kredit unter Privatpersonen sinnvoll, damit der Mieter bei Nichtzahlung schuldrechtliche Ansprüche besser durchsetzen kann.

4. Vermieter verweigert Rückzahlung unter Vorwand

Der Einbehalt der Kaution unter einem Vorwand ist eine bei Vermietern leider häufig vorkommende Handlungsweise. Letzterer muss jedoch einwandfrei nachvollziehbar begründen, warum er die Rückgabe verweigert. Liegt kein nachvollziehbarer Grund vor, ist er zur Rückzahlung verpflichtet. Angebliche Sachmängel (Beschädigungen) am Mietobjekt lassen sich mit dem von beiden Mietparteien unterzeichneten Übergabeprotokoll widerlegen. Angeblich nicht gezahlte Mieten oder Nebenkosten lassen sich per Kontoauszug nachweisen. Der Eigentümer darf lediglich einen Teil der Mietkaution einbehalten, welcher eine noch ausstehende Nebenkostenabrechnung abdeckt. Der Rest der Kautionssumme ist dem Mieter nebst aufgelaufener Zinsen kurzfristig – in der Rechtsprechung sind diese wenige Tage – zurück zu zahlen.

5. Vermieter per Mahnung zur Zahlung auffordern

Verweigert der Vermieter die Rückgabe weiterhin, ist die Mahnung unter einer Fristsetzung ratsam. Hierbei handelt es sich um eine schriftliche Aufforderung, den Geldbetrag bis zu einem bestimmten Termin zu zahlen.

6. Straftatbestand und Anzeige

Zeigt sich der Vermieter vom Mahnschreiben unbeeindruckt, konfrontieren Sie ihn mit den vorliegenden Straftaten. Hierbei handelt es sich um Betrug, Untreue und Unterschlagung. Dies sind schwere Straftatbestände, welche erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. Drohen Sie ihm mit einer Strafanzeige. Spätestens jetzt sollte sich der Vermieter seiner Situation bewusst sein.

7. Der Rechtsweg als letzte Möglichkeit

Bleiben alle bisherigen Versuche an das Geld zu kommen erfolglos, suchen Sie sich einen Fachanwalt für Mietrecht. Dieser wird den Vermieter über die bestehende Rechtslage aufklären. Lenkt der Vermieter auch hier nicht ein, muss der Anspruch per Gerichtsverfahren durchgesetzt werden.

Missbrauch vorbeugen – so geht´s

Deutlich einfacher als eine Rückforderung der Mietkaution im Nachhinein gestalten sich Maßnahmen zur Vorbeugung einer Zweckentfremdung. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten, welche wir Folgenden erläutern.

1. Nachweis für gesetzeskonforme Anlage einfordern

Der Vermieter ist verpflichtet, auf Anfrage des Mieters die mündel- und insolvenzsichere Anlage der Mietkaution nachzuweisen. Sinnvoll ist, den Nachweis gleich zu Beginn des Mietverhältnisses einzufordern.

2. Konto auf den Namen des Mieters

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ein Mietkautionskonto auf den Namen des Mieters anzulegen. Der Wohnungsinhaber kann in diesem Fall Einfluss auf die Wahl der Geldanlage nehmen, da er bei der Kontoeröffnung anwesend ist. Ein weiterer Vorteil für den Mieter ist, dass die Mietparteien bei dieser Kautionsform im Schadensfall nur gemeinsam auf das Guthaben zugreifen können. Eine missbräuchliche Verwendung ist damit ausgeschlossen. Damit die Mietsicherheit ihren Zweck erfüllt, wird die Spareinlage an den Vermieter verpfändet.

3. Bürgschaft statt Barkaution

Eine weitere Möglichkeit die Kaution insolvenzsicher zu hinterlegen, bietet eine Bürgschaft. Bei der meist unter dem Begriff Mietkautionsbürgschaft bekannten Kautionsform wird nur Geld an den Vermieter ausgezahlt, wenn dieser Ansprüche aus dem Mietverhältnis geltend macht. Der Mieter muss bei Hinterlegung einer Bürgschaft keine Barkaution hinterlegen, und kann so das Risiko einer Zweckentfremdung durch den Eigentümer ausschließen.

8 Gedanken zu „Vermieter prellt Mieter um Kaution – was tun und wie vorbeugen?“
  1. Hallo,

    ich habe 2003 eine kleine Wohnung in Köln mit einer Elternbürgschaft und einem Wohnberechtigungsschein bekommen. Die Kaution habe ich in bar beim Vermieter gegen Beleg bezahlt, und bekomme die Kaution nicht ausgezahlt! Grund der Sachbearbeiterin beim Vermieter ist “ die Kaution ist damals über die Stadt gelaufen „. Ich wusste weder dass es sowas gibt, noch bräuchte ich das. Wie schon geschrieben, ich habe ein Beleg dazu. Des weiteren wäre dafür ein Antrag bei der Stadt notwendig. Habe ich nie beantragt.

    Was kann ich oder sollte ich jetzt tun?

    1. Hallo Herr Siebert,

      wenn Sie dem Vermieter die Kaution direkt übergeben haben, muss er Sie Ihnen auch zurück zahlen. Fordern Sie als Erstes mal vom Vermieter einen Nachweis ein, was er mit der Mietkaution genau gemacht hat, bzw. wo und wie er sie angelegt hat. Der Vermieter ist verpflichtet, Ihnen Auskunft darüber zu erteilen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Die Redaktion

  2. Hallo,

    wie sieht das Ganze in einer WG aus, bei der alle Hauptmieter sind, und lediglich immer ein Mieter wechselt? Gibt es dann auch hier Grund zur Einhaltung der Kaution? Falls nicht, wie kann man vorgehen, wenn die Vermieter sich vehement weigern die komplette Kaution zurück zugeben?

    1. Hallo,

      wenn es nur einen Mietvertrag für alle Mieter gibt, haften alle Mieter gegenüber dem Vermieter „gesamtschuldnerisch“. Das bedeutet z.B. wenn einer der Mit-Mieter seine Miete nicht zahlt, kann der Vermieter theoretisch auch von allen Anderen die Zahlung verlangen. Die Mieter regeln untereinander, wer welchen Anteil an den Kosten zu übernehmen hat. Ebenso verhält es sich mit der Kaution, siehe auch Artikel: die Mietkaution in der WG. Weigert sich der Vermieter die Kaution zurück zu zahlen, gibt es diese Möglichkeiten.

      Mit freundlichen Grüßen
      Die Redaktion

  3. Hallo,

    wir haben vor ein paar Jahren eine Wohnung angemietet. Den Mietvertrag haben wir mit einem vom Vermieter beauftragten Makler unterzeichnet. Die Kaution für die Wohnung haben wir dem Makler in bar ausgehändigt. Der Betrag, das Datum und die Zahlung in bar sind auf dem Mietvertrag vermerkt. Nun ziehen wir bald aus der Wohnung aus. Wie sich herausgestellt hat, ist o.g. Makler insolvent, und hat unsere Kaution angeblich nie dem Vermieter übergeben. Der Vermieter weigert sich nun, uns die Kaution zurück zu zahlen. Wir sind allerdings der Meinung, dass er als Vertragspartner und Auftraggeber des Maklers in der Pflicht steht, mit der von uns gezahlten Kaution sorgsam umzugehen, und sie uns nach Auszug ohne Mängel zurück zu zahlen hat. Liegen wir richtig?

    Danke im Voraus!

    1. Hallo,

      Sie liegen mit Ihrer Einschätzung genau richtig. Mit dem Makler haben Sie nichts zu schaffen. Der Vermieter ist ihr Ansprechpartner.

      Viele Grüße

  4. Hallo,

    ich habe auch eine Frage. Habe seit Mai ein Verfahren aufgrund von illegalem Filesharing am Hals. Mein Mitbewohner, der zum 1.10. ausgezogen ist, behauptet er war es nicht. Ich glaube ihm allerdings nicht, da er jede Nacht am PC Serien auf illegalen Seiten gestreamt hat, und ich selber nur Netflix nutze. Leider läuft der Anschluss über mich, und ich musste mir einen Anwalt nehmen. Ist es rechtens, wenn ich einen Teil seiner Kaution behalte, um die Hälfte der Anwaltskosten zu tragen?

    Danke für die Hilfe

    1. Hallo,

      mit der Mietkaution lassen sich nur Kosten verrechnen, die im direkten Zusammenhang mit dem Mietvertrag stehen, also Miete, Nebenkosten und Schäden am Mietobjekt. Welche (Schadensersatz)-Ansprüche Sie gegenüber Ihrem Mitbewohner haben, kann Ihnen Ihr Anwalt besser erklären.

      Viel Erfolg

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